Turnierrente

Schon das ganze letzte Jahr trug ich mich mit dem Gedanken, Drover aus dem Obedience rauszunehmen. Er hat in den letzten Jahren von Mal zu Mal weniger Spaß auf Turnieren gehabt. Er strahlte da einfach nicht mehr so wie früher. Meist machte er ja noch mit, aber ich habe gemerkt, dass er es für mich getan hat und nicht aus Freude an der Arbeit. Und er hat bei Weitem nicht mehr das gezeigt, was sein eigentlicher Trainingsstand war. Unseren Tiefpunkt haben wir dann letztes Jahr im Oktober erreicht, als Drover auf dem Turnier in Düsseldorf im Prinzip die Arbeit komplett verweigert hat und wir mit Pauken und Trompeten durchgefallen sind.

Über den Winter habe ich dann gemerkt, dass er auch im Training einfach keine Lust mehr auf diese "Obedience-Fisselsarbeit" hat. Er trainiert eigentlich immer noch total gerne, aber wenn ich an Kleinigkeiten feilen möchte und er eine Übung mehrfach machen soll, verliert er zusehens die Lust daran. Das war früher einfach anders. Dadurch fehlte auch MIR zunehmend die Motivation, mit Drover noch an solchen Baustellen zu arbeiten, da ich auch einfach langfristig keine Erfolge mehr sehe und uns beide das frustriert.

Trotzdem wollte ich nicht, dass unsere gemeinsame Turnierzeit mit so einem Tiefschlag wie letztes Jahr endet. Und so war für mich das Turnier in Kückhoven die perfekte Gelegenheit, einen tollen Abschluss einer großartigen Obedience-Karriere zu feiern. Ich habe mir gedacht, dass für Drover die geteilten Einzelübungen eine tolle Sache sind. Und genauso war es. Wir hatten ein richtig schönes letztes Turnier mit tollen Übungen, schönen Punkten und einem (zum Schluss) super Gefühl der Verbundenheit. Aber trotz der geteilten Einzelübungen wusste ich, dass es das für Drover nicht mehr ist. Ich bin sehr glücklich, dass wir noch einmal einen so schönen Start gemeinsam haben durften, aber nun ist Schluss.

Nach 7 Jahren endet Drovers Obedience-Turnier-Karriere im Alter von 8,5 Jahren. 29 Obedience-Turniere haben wir gemeinam bestritten, davon 24 bestandene Prüfungen. Wir erliefen 7 Vs (in der Klasse 3 waren es leider nicht mehr so viele 😉 ) und 10 SGs, starteten insgesamt 5 Mal auf der DSV-Meisterschaft, wovon Drover 2012 Verbandsmeister in der Klasse 1 wurde. Mehrmals wurde Drover beim AOM des CASD erst- und zweitplatziert.

Aber am Ende sind das alles nur Zahlen. Was viel mehr zählt ist, was Drover mir in dieser Zeit gegeben hat. Hase, du hast mir gezeigt, das ich keine Angst haben muss. Du hast mir Freude auf den Turnieren vermittelt. Du hast mir das Gefühl gegeben, mich auf dich verlassen zu können, dir immer vertrauen zu können. Du hast meine Indi-bedingte Prüfungsangst geheilt. Niemals wäre ich ohne dich jemals da, wo ich heute bin. Niemals könnte ich mit Ty diese Erfolge feiern, wenn du MICH nicht dahin gebracht hättest. Ich weiß, was ich dir zu verdanken habe und ich bin dir so unheimlich dankbar! Ich weiß, dass ich viel falsch gemacht habe und du hast mir so viel verziehen. Ich habe oft zu viel von dir verlangt und bin mit Sicherheit nicht unschuldig daran, dass du mittlerweile keine Lust mehr auf Turniere hast. Aber du hast mich auch gelehrt, bescheidener zu sein. Erfolge nicht nur an Punkten festzumachen. Meine Ansprüche zurück zu schrauben und an MIR zu arbeiten. Jetzt hast du dir den (Turnier-)Ruhestand redlich verdient. Hase, ich liebe dich so sehr! Danke für die tolle Zeit!

Natürlich gehört Drover damit noch nicht zum alten Eisen. Er ist gesundheitlich noch topfit und kommt immer noch mit zum Training. Wir werden auch noch ein wenig Rally machen, da hat er nämlich auch auf den Turnieren noch richtig Spaß. Und vielleicht den ein oder anderen ASCA Start. Denn um komplett in Rente zu gehen, ist man mit 8,5 Jahren definitiv zu jung 🙂

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