ZUCHT

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Na nu? Die Rubrik Zucht auf einer Deckrüden-Seite?

Ja! Auch ich als Rüdenbesitzerin kann in gewissem Maße ein Zuchtziel verfolgen und fühle mich genauso in der Verantwortung gegenüber der Rasse wie es wohl jeder Hündinnenbesitzer/Züchter tut, auch wenn mir leider die Freude (aber natürlich auch die Arbeit 😉 ) der Welpenaufzucht vorenthalten bleibt. Und wer weiß, was die Zukunft noch alles mit sich bringt...

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Ich möchte nicht nur vermehren, sondern die positiven Eigenschaften der Rasse Australian Shepherd erhalten, wobei für mich ganz klar die Arbeitsbereitschaft einen höheren Stellenwert einnimmt, als großes Show-Potential - Gesundheit und ein tolles Wesen immer vorausgesetzt! Trotzdem möchte ich mich nicht auf Kategorien wie „Arbeits- oder Show-Aussies“ festlegen lassen. Ich bevorzuge eine ausgewogene Mischung: Hunde, die dem Standard entsprechen und trotzdem gerne und ausdauernd arbeiten. Die stets geforderte „Verbesserung“ der Rasse lässt sich als einzelner Züchter/Deckrüdenbesitzer schwer leisten und ist eine Aufgabe über Generationen hinweg. Somit sehe ich es als erstes Ziel, positive Eigenschaften der Hunde zu erhalten und Fehler, die jeder Hund nun einmal hat, durch durchdachte Anpaarungen auszugleichen.

Ich habe meine Hunde hauptsächlich als über alles geliebte Familienhunde, als Begleiter im Alltag und natürlich auch für den Hundesport. Im Obedience haben wir unsere große Leidenschaft gefunden. Die Zucht ist mir wichtig, allerdings sehe ich darin nicht die Hauptdaseinsberechtigung meiner Hunde. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, einen Hund rein für züchterische Zwecke zu kaufen, ist nicht der optimale Ansatzpunkt, da man nie weiß, wie sich ein Welpe entwickeln wird. Dies gilt für optische Gesichtspunkte, aber besonders auch für die "inneren Werte", da Zucht ursprünglich mal ein "Nebenprodukt" von Leistungsfähigkeit war und dieser Ansatz mit Sicherheit noch zu einem großen Teil seine Berechtigung hat.

Natürlich hatte auch ich beim Kauf meiner Hunde den Hintergedanken der späteren züchterischen Verwendung, so dass ich von vornherein auf bestimmte Linien in den Pedigrees, auf die Gesundheit der Elterntiere und auch schon beim Welpen auf mögliche „Fehler“ achtete.

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Dann müssen selbstverständlich alle Untersuchungen meiner Hunde in Ordnung sein. Ich bin Mitglied im CASD, der dem VDH angeschlossen und der einzige zuchtbuchführende Verein für Australian Shepherds in Deutschland ist. Der CASD schreibt die HD und ED Untersuchung sowie den MDR1 Test vor, ich teste meine Aussies darüber hinaus auf HSF4, CEA, PRA, DM und lasse die Abstammung per DNA-Nachweis überprüfen. Schließlich wird bei der Zuchtzulassung des CASD die körperliche Korrektheit der Hunde bescheinigt. Außerdem werden meine Aussies jährlich von einem anerkannten Fachtierarzt für Augenheilkunde des DOK untersucht.

Trotzdem ist dies keine Garantie dafür, dass niemals etwas schief gehen wird. Man kann als Züchter vorher nie genau sagen, was bei einem Wurf herauskommen wird, da nicht alle Erbgänge vollständig entschlüsselt sind. In JEDER Blutlinie gibt es Risiken, es gilt jedoch diese zu minimieren. Dies gelingt aber nur, indem man über die Gesundheitsauswertungen des eigenen Hundes hinausgeht und eine möglichst genaue Kenntnis seiner Linien erlangt. Dazu gehören Gespräche mit anderen Züchtern und Aussieinteressierten und die Bereitschaft, offen mit Problemen umzugehen, auch wenn es dann einmal „knallt“. Das kann jedem Züchter passieren, die Frage ist jedoch, wie man damit umgeht und welche Konsequenzen man zieht. Auch ich musste die für mich sehr schlimme Tatsache hinnehmen, niemals einen Drover-Welpen haben zu werden, als bei ihm im Alter von 4,5 Jahren einseitiger Katarakt festgestellt wurde und ich ihn somit schweren Herzens aus der Zucht nehmen musste.

Ich stehe für Fragen zu meinen Hunden immer gerne zur Verfügung und würde mich sehr freuen, wenn zukünftige Welpenkäufer den Kontakt zu uns suchen, damit ich weiß, wie sich die Nachzucht der Jungs entwickelt.

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Auch die Charaktere der Hunde sowie die ihrer Eltern und Geschwister sind für eine züchterische Verwendung ein wichtiger, wenn auch schwer überschaubarer Faktor, da man nicht genau weiß, was genetisch fixiert und was durch (falsche?) Erziehung/Sozialisation ausgelöst wurde. Dazu kommt die Frage, welche Charaktereigenschaften denn nun wünschenswert sind. Möchte ich bei einem Stadthund Schutztrieb? Soll ein Familienhund reserviert sein? Aber das können nun einmal typische Eigenschaften des Aussies sein und so denke ich, dass von Seiten eines Züchters viel Fingerspitzengefühl gefragt ist, damit sich zwei Deckpartner charakterlich optimal ergänzen und eben solche Eigenschaften nicht ins Extreme abdriften. Die wenigsten Menschen leben hier nun einmal auf einer Ranch ohne Nachbarn, so dass sich unsere Hunde an ein Leben in dicht besiedelter Zivilisation anpassen können müssen. Trotz aller Schwierigkeiten den Punkt "Charakter" zu erfassen, gibt es für mich einfach Charaktereigenschaften, die nicht in die Zucht gehören, wie Aggressions- oder Angstproblemen.

Doch all das ist mir bei der Zucht des Arbeitshundes Aussie zu wenig. Wir haben mittlerweile genug ehemalige „Arbeitsrassen“, die heute nur noch als stumpfe Familienhunde durchgehen. Eine schreckliche Entwicklung! Und leider sieht man auch auf reinen Aussie-Veranstaltungen viele Hunde, die zwar alles machen, was von ihnen verlangt wird, aber dabei rein gar keine Austrahlung und Arbeitsfreude zeigen. Mir ist durchaus bewusst, dass wir in unserer heutigen Gesellschaft kaum noch Verwendung für tatsächlich hütende Hunde haben und auch nicht jeder eine eigene Schafherde zum Bespaßen der Hunde anschaffen kann und will (wir auch nicht!). Aber der Aussie ist so vielseitig und begeistert bei anderen Aufgaben, die es für ihn gibt, dass es ein Leichtes ist, ihn in verschiedenen Hundesportarten zu fördern. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, es geht nicht darum, dass ein Zuchthund jetzt in irgendeinem Sport Weltmeister sein muss, um Arbeitsbereitschaft zu beweisen. Nein, aber er sollte zumindest hobbymäßig gearbeitet werden, damit ich als Besitzer aber auch Hündinnenbesitzer und Welpeninteressenten sehen können, was der Hund bereit ist zu leisten. Dass er den „will-to-Please“ noch nicht verloren hat wie so viele andere Moderassen. Dass er begeistert bei der Sache und leicht motivierbar ist. Und dass er auch mit Frustration umgehen kann und diese im Training produktiv umsetzt. Wenn ich mit meinem Hund nicht arbeite, wie will ich dann das alles beurteilen?

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Aus diesem Grund ist es mir persönlich eben nicht genug, wenn ein Hund unzählige Championtitel hat und noch so hübsch ist. Das Problem ist, dass bei der Kategorie Schönheit die Geschmäcker einfach sehr weit auseinandergehen. Ich habe moderate Hunde mit "weniger" Fell und mittlerer Knochenstärke. Ich persönlich mag aber auch rein optisch keine Aussies im Bernerpelz. Aber natürlich soll ein Aussie auch äußerlich gefallen. Viele Hunde aus sogenannten "Arbeitslinien" haben nach meiner Auffassung leider wenig Ähnlichkeit mit dem Bild, was der Rassestandard zeichnet, und sehen für mich genauso wenig aus wie ein richtiger Aussie wie das andere Extrem - die Fellmonster. Man hat oft den Eindruck, dass das Etikett "Arbeitslinie" häufig dann verwendet wird, wenn das Exterieur des Hundes "entschuldigt" werden soll. Und doch gibt es sie, die Hunde aus echten Arbeitslinien, die trotzdem (oder grade deshalb?) dem Standard entsprechen.

Und Zuchthunde müssen natürlich den Rassestandard möglichst weitreichend erfüllen, was meine Zuchthunde durch die Körung und Zuchtzulassung des CASD (VDH) unter Beweis stellen. Besonders wichtig ist mir dabei ein korrekter Körperbau, da dieser die körperliche Fitness und damit die Leistungsfähigkeit des Hundes zu einem großen Teil beeinflusst.

Wenn ich meinen Rüden zum Decken zu Verfügung stelle, ist es mir persönlich wichtig, dass der Hündinnenbesitzer eine ähnliche Auffassung von Zucht hat. Dabei muss die Hündin, wie bereits gesagt, nicht auf unzähligen Prüfungen vorgeführt worden sein, doch sie sollte doch gerne mit ihrem Menschen in welcher Form auch immer zusammenarbeiten. Physische wie psychische Gesundheit und die Zuchtzulassung durch einen FCI-anerkannten Verein werden vorausgesetzt. Träger von HSF4 und C-Hüften werden nicht berücksichtigt. Ebenso sollte die Hündin bei Belegung mindestens 2,5 Jahre (30 Monate) alt sein.